Wie schwer ist es ein Buch zu schreiben?

Ganz ehrlich? Das Schreiben an sich ist nicht schwer. Ich hatte die komplette Geschichte eigentlich sehr schnell in meinem Kopf und die einzelnen Szenen und Dialoge habe ich dann während des Schreibens selber ausgearbeitet.

Wirklich schwer war es dann als ich zum ersten Mal meine (noch völlig unfertige) Geschichte Leuten zum Lesen gegeben habe. Natürlich waren das Leute, die mich kennen und für mich fühlte sich das in etwa so an, als sollte ich mich in einem Raum mit Neonlicht vor diesen Leuten nackt ausziehen. Ich fühlte mich bloßgestellt und hatte Angst, dass manches falsch interpretiert wird oder womöglich etwas hieininterpretiert wird, das gar nicht da ist.

Das fängt schon mal damit an, dass viele womöglich denken, dass mein Roman in vielen Punkten autobiographisch wäre. Was ja auch nicht unberechtigt und vor allem nicht ganz unbegründet ist. Immerhin wird meine Geschichte aus der Sicht des Mädchens, Rory, erzählt und gewisse Ähnlichkeiten zwischen mir und dieser Figur sind nun einmal nicht von der Hand zu weisen.

Rory ist groß für ihr Alter und hat lange, dunkle Haare. Ihr Kleidungsstil ist ungewöhnlich und sie hat einen Hang zu Gothik. Nun jeder, der mich kennt, wird bestätigen können, dass ich mit vierzehn genau so war. Rory ist eine Einzelgängerin und schwimmt gerne mal gegen den Strom. Auch das könnte man von mir genauso sagen

2014-08-14 19.07.59
Das bin ich mit sechzehn. Nur damit ihr euch auch was vorstellen könnt.

Aber dann wird es schon schwierig. Denn es handelt sich um einen Fantasy-Roman und da sind die Hauptfiguren immer außergewöhnlich schön, klug und interessant. Bei mir ist das nicht anders; Rory ist sehr attraktiv und hat viele Verehrer. Sie ist intelligent, interesant und schlagfertig. Sie ist selbstbewusst und ungewöhnlich selbstsicher und sie ist natürlich wirklich viel reifer als alle anderen ihres Alters und erhaben über die sonst in der Pubertät üblichen Identitätskrisen und Unsicherheiten.

Und da mache ich mir dann Sorgen, dass die Leute, die mich kennen und ganz klar die tatsächlich vorhandenen Ähnlichkeiten zwischen Rory und mir erkannt haben womöglich denken, dass ich mich nun für ebenso attraktiv, unwiderstehlich, intelligent und interessant halte, wie ich Rory beschrieben habe. Denn das ist natürlich Quatsch. (Siehe Bild!)

Das nächste Problem ist, dass Leute das Gefühl haben könnten, dass sie sich in einer der Figuren wiederfinden und sie damit aber nciht einverstanden sind oder sie da etwas missverstehen.

Das fängt schon bei der Familie an. Rorys Mutter ist verschwunden alls sie noch sehr klein war und Rory ist alleine bei ihrem Vater aufgewachsen. Ja, auch da könnte man Parallelen zu meinem Leben sehen, aber dann besteht eben die Gefahr, da etwas hineinzuinterpretieren, dass wirklich nicht da ist.

Das Verschwinden von Rorys Mutter hat nichts damit zu tun, dass ich mich verlassen fühle, sondern dient einfach dazu, die Geschichte interessanter zu machen und Rorys unabhängige Art zu erklären. Außerdem könnte es sein, dass die verschwundene Mutter noch einmal eine wichtige Rolle spielt, aber soweit bin ich noch nicht.

Dann gibt es da eine Stiefmutter, die es in meinem Leben auch gibt, die ich aber in der Geschichte ganz anders dargestellt habe. Genauso wie es zwei Großmütter gibt, von denen eine verständndisvoll und  offen und die andere ein richtiger Drachen ist. Auch das hat absolut nichts mit meinen beiden Omas zu tun. Keine der beiden Buch-Großmütter entspricht auch nur ansatzweise meinen echten Omas und man kann auch nicht von der Bezeihung, die Rory zu ihnen hat auf mich und meine Beziehung zu meinen Omas schließen.

Dasselbe gilt dann auch für Freunde und Schulkollegen von Rory. Natürlich kann ich nicht bestreiten, dass ich oft eine bestimmte, reale Person vor Augen habe, wenn ich einen Charakter erfinde. Aber wenn es dann einen Dialog oder eine Szene interessanter macht, dann wird diese Person schon mal naiver, nerviger oder zickiger als es das reale Vorbild jemals wäre.

Ich habe mich auch sehr bemüht, keine Namen von Personen aus meinem Umfeld zu benutzen, besonders nicht bei den unangenehmen Charakteren. Nur einige wenige Namen aus meinem direkten Umfeld habe ich bewußt gewählt. So kommen die Namen meiner Kinder  zumndest in veränderter Form vor und auch die Namen meiner Geschwister habe ich verwendet. Außerdem den einer Freundin, die mich aber extra darum gebeten hat, weil sie einen sehr selten Namen hat und sich desahalb freut, wenn er in meiner Geschichte vorkommt.

Natürlich ist etwas ganz anderes, wenn Fremde das Buch lesen. Die können sich denken was sie wollen. Aber bei Freunden und Familie ist meiner Ansicht nach schon eine sehr heikle Sache und ich hoffe wirklich, dass niemand sich in irgendeiner Weise falsch dargestellt fühlt, oder von der Figur der Rory irgenwelche Rückschlüsse auf mich zieht.

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