Lesen ist ja kein richtiges Hobby!

Es gibt ja Leute, die glauben, dass Lesen eine sinnlose Beschäftigung ist. Denn beim Lesen tut man ja gar nichts. Gerne wird das von Leuten behauptet, die erstens selber oft vor dem Fernseher sitzen und zweitens seit der Schule freiwillig kein Buch mehr in die Hand genommen haben. Dabei ist Lesen eine so schöne Art des Gehirntrainings!

Erst einmal wird logischerweise alles trainiert, was man sonst im Deutschunterricht lernt. Schnelles, sinnerfassendes Lesen, Grammatik und Rechtschreibung.

Schnell lesen zu können und dabei auch den Sinn zu verstehen und die Informationen schnell mit schon vorhandenem Wissen verknüpfen zu können, ist heute wichtiger denn je. Ja, man kann sich aus dem Internet alle Informationen beschaffen, die man braucht. Aber nur wenn ich schnell erfasse, was da in den Zusammenfassungen steht und auch schnell erkenne, ob es das ist, was ich suche, dann bringen mir diese vielen Informationen auch wirklich einen Nutzen.

Rechtschreibung und Grammatik prägen sich auch besser dadurch ein, dass man sie in angewendeter Form immer wieder sieht, als durch das Erlernen von Regeln. Dieses Gefühl, das manche in Bezug auf Rechtschreibung und Grammatik entwickeln kommt eben davon, dass man etwas schon hunderte oder tausende Male gelesen hat.

Aber ganz abgesehen von all dem bringt Lesen aber noch so viel mehr. Beim Lesen entstehen Bilder im Kopf. Man stellt sich Personen, Landschaften, Häuser… vor. Man fühlt mit den Figuren mit, erlebt Abenteuer, lacht und weint.

Wie trostlos muss das Innenleben eines Menschen sein, der sich nicht in andere hineinversetzen will oder kann?

Wie traurig muss es sein, nicht die Fähigkeit zu haben, mit einer Romanfigur mitzufühlen?

Wie engstirnig muss jemand sein, der gar keine neuen Ansichten oder Standpunkte kennenlernen will? Oder wie ängstlich, weil seine eigene Anschauung vielleicht ins wanken kommen könnte?

Für manche mag es vielleicht oft ausgesehen haben, als ob ich beim stundenlagen Lesen nur Zeit vertrödelt habe. Dabei hat mich das eigentlich immer davor bewahrt zu Drogen zu greifen, wenn mir der Alltag wieder einmal zuviel geworden ist und ich am liebsten davonlaufen wollte. Ich habe mich dann eben in eine Geschichte geflüchtet.

Ich kann mit bestimmten Geschichten verschiedene Gefühle in mir hervorholen. Tauche ich in eine Geschichte ein, wo sich zwei Menschen finden und ineinander verlieben, dann wallt auch bei mir das Gefühl des Verliebtseins wieder auf.

Lese ich von Schicksalschlägen und einem tragischen Leben, dann kann ich wieder etwas zufriedener sein, mit dem, was ich habe.

Wenn ich eine Geschichte über ein krankes Kind lese, dass nach langem Kampf gestorben ist, dann empfinde ich meine eigenen Kinder nicht mehr als nervtötende Störenfriede, sondern bin dankbar dafür, dass sie so lebendig sind.

Ich kann lachen, weinen, abenteuerlustig sein, mich unheimlich über Menschen ärgern oder Erkenntnisse über mein Leben gewinnen und das alles von der Couch aus. Also wenn das nichts ist? Schade dass, so viele Menschen das alles nicht können. Gerade denjenigen, die Lesen so gar nicht als sinnvolle Beschäftigung ansehen, würde all das nicht schaden. Und ich hoffe immer noch, dass ich meinen Kindern auch noch die Welt der Bücher und Geschichten eröffnen kann. (Mehr darüber habe ich schon einmal in einem anderen Beitrag geschrieben.)

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