Abtauchen in eine andere Welt

In den letzten Wochen habe ich intensiv an der Fertigstellung meines zweiten Romans gearbeitet. Ich habe mich so richtig reingehängt und jeden Tag mehrere Stunden daran geschrieben. Dazwischen habe ich eine Unmenge an Büchern verschlungen. Bücher, die ich schon oft gelesen habe und die einfach zu meinen Lieblingen gehören, aber auch neue Bücher, die ungefähr dem Stil meiner Geschichte entsprechen. Dabei geht es mir nicht darum, etwas abzuschreiben oder Ideen zu klauen. Nein, ich brauche das, um in eine bestimmte Stimmung zu kommen. Ich lese immer wieder nach, wie es Gwendolyn ging, als sie glaubte, dass Gideon (Edelstein-Trilogie) nur mit ihr gespielt hat. Oder ich möchte unbedingt noch einmal miterleben, wie Claire nach zwanzig Jahren zu Jamie (Schottland-Saga) zurückkehrt. Um meine eigene Geschichte voranzutreiben, muss ich mich einfach in eine bestimmte Stimmung versetzen. Nur dann sprudeln die Ideen, und es kommt der Drang, gleich alles nieder zu schreiben, weil mir sonst der Kopf platzen würde.
Das Problem ist dann leider oft der Alltag, der es nicht zulässt, ganz in diesen Stimmungen zu versinken. In solchen Phasen würde ich mich am liebsten komplett zurückziehen und es fällt mir schwer, für andere da zu sein. Freunde hören dann oft über Wochen nur sehr selten etwas von mir. Zum Glück kennen sie mich gut genug und nehmen mir das dann nicht übel. Mit der Familie ist das natürlich schon schwieriger. Wenn man Kinder hat, geht es einfach nicht, dass man sich wochenlang in seine eigene Welt zurückzieht und von der Realität nichts wissen möchte. Und auch dem Partner gegenüber ist es nicht unbedingt fair, wenn man sich lieber mit der Beziehung eines erfundenen Paares, als mit der eigenen beschäftigt.
Auf der anderen Seite ist es vielleicht auch ganz gut für mich, dass ich mich nicht komplett aus der Realität ausklinken kann. Wer weiß schon, wie weit man sich dann wirklich vom wahren Leben entfernt und ob es nicht immer schwieriger wird, dorthin zurückzufinden, wenn man nicht immer wieder von den profanen Problemen des Alltags aus seiner Fantasiewelt zurückgeholt wird. Außerdem ist es sehr anstrengend, ständig zwischen emotionalen Hochs und Tiefs zu pendeln, auch wenn sie nur erfunden sind.
Schon oft habe ich mich gefragt, ob das normal ist. Also sprich, ob ich normal bin. Aber andererseits sucht sich wohl jeder seine kleinen Fluchten aus dem Alltag. Manchem genügt es schon, selber zu sporteln oder als Fan eine Mannschaft anzufeuern. Auch hier erlebt man es ja immer wieder, dass aus an sich harmlosen Menschen entweder einen ungesunden Ehrgeiz entwickeln oder dass ein Fan plötzlich zum Fanatiker mutiert, nur weil der Schiedsrichter eine, aus seiner Sicht, falsche Entscheidung getroffen hat. Viel zu vielen Menschen genügen aber solche an sich harmlosen Ablenkungen vom immergleichen Alltag mit den immergleichen Problemen nicht mehr und sie verfallen dem Alkohol, Drogen oder einem Online-Spiel, weil sie in der Anonymität des Webs jemand anders sein können.
So gesehen gibt es wohl Schlimmeres, als immer wieder mal für ein paar Wochen in eine erfundene Geschichte abzutauchen. Obwohl mir mittlerweile bewusst ist, dass dabei die Gefahr besteht, dass man die erfundene Welt der Realität vorzieht. Daher kann ich nachvollziehen, wie es dazu kommen kann, dass Künstler, egal ob Maler, Musiker oder Schriftsteller, zu wahnsinnigen Genies oder genialen Wahnsinnigen werden. Oder dass solche Künstler mit so alltäglichen Dingen wie einkaufen, putzen oder Rechnungen bezahlen oft nichts anfangen können. Nicht dass ich mich auch nur ansatzweise als wahren Künstler bezeichnen würde oder dass es bei mir schon jemals so weit gekommen wäre, dass meine Kinder nichts zu essen oder keine saubere Kleidung gehabt hätten. Aber mittlerweile kann ich mir besser als noch vor einigen Jahren vorstellen, wie es so weit kommen kann.

Advertisements

Was ich anders machen würde

Also erst einmal muss ich ganz klar sagen, dass ich mir bei der Veröffentlichung von Teil eins zu viel Stress gemacht habe. Ich hatte einen Termin vor Augen, den ich unbedingt einhalten wollte. Auf der einen Seite war das auch gut so, weil ich sonst nie zum Ende gekommen wäre und immer weiter am Text gebastelt hätte. Aber andererseits wären mehr Testleser und ein letztes abschließendes, konzentriertes Überarbeiten noch einmal wichtig gewesen. Denn leider sind so noch zu viele Fehler im Text, die eigentlich erst durch mein ständiges Umschreiben entstanden sind. Natürlich weiß ich, dass Fehler nun einmal passieren und dass auch in Verlagsbüchern oft genug Fehler zu finden sind. Und mich persönlich stören Fehler auch nicht, wenn mir das Buch sonst gut gefällt. Außer es sind gravierende Rechtschreibfehler und ich weiß, dass die bei mir (hoffentlich) nicht mehr vorkommen. Aber mich stört, dass es nun so aussieht, als ob ich mir keine Mühe gegeben hätte bzw. als ob es mir egal wäre. Aber ich kann es ja nun besser machen. Außerdem werde ich Teil eins noch einmal in Ruhe überarbeiten, sobald ich mit Teil zwei fertig bin.

Was ich auf alle Fälle auch anders machen werde als bei Teil eins, ist die Art der Veröffentlichung. Teil eins habe ich ja als E-Book über KDP (Amazon) und gleichzeitig über einen Distributoren, der dann an Thalia, Weltbild,.. ausgeliefert hat, veröffentlicht. Diesmal werde ich erst einmal nur über KDP veröffentlichen. Das hat mehrere Vorteile. Erstens kann ich mein Buch bei KDP Select anmelden, wenn ich mich dazu verpflichte, erst einmal drei Monate nur auf Amazon zu veröffentlichen. KDP Select bedeutet, dass meine Bücher auch über Kindle Unlimeted ausgeliehen werden können. Außerdem kann ich etwaige Fehler bei KDP viel einfacher ausbessern, weil ich jederzeit eine neue Datei hochladen kann und diese nach spätestens einem Tag auch veröffentlicht wird. Im Gegensatz zu einem Distributor, kann ich das beliebig oft machen. Auch Preise kann ich so einfacher und schneller ändern und somit auch immer wieder kurzfristige Aktionen für mein Buch zu starten.

Außerdem startet  Tolino angeblich eine eigene Selfpublisher-Plattform und das wäre natürlich auch sehr interessant für mich. Die Tolino-Allianz würde dann Weltbild und Thalia beliefern. Wenn das ähnlich unkompliziert klappt, wie bei Amazon, dann überlege ich, meine Bücher dann beide dort anzubieten und nicht mehr über einen Distributor. Dieser beliefert zwar noch mehr Shops, aber mir geht es ehrlich gesagt ja nur darum, dass meine Bücher auch im Epub-Format zu kaufen sind.

Ansonsten bin ich sehr zuversichtlich für Teil zwei, denn Teil eins hat ja genau den Zweck erfüllt, den er erfüllen sollte; nämlich mal zu sehen, wie es läuft. Die Geschichte selber und mein Schreibstil kommen soweit ganz gut an, an den Fehlern arbeite ich noch und ich habe für die Veröffentlichung sehr viel dazu gelernt. Nach wie vor mache ich das meiste ganz alleine und bin deshalb im Großen und Ganzen zufrieden damit, wie es bis jetzt gelaufen ist.

 

Alles auf Anfang!

Alles auf Anfang heißt es nun wieder bei Teil zwei. Für „Dannory – Dunkle Träume“ habe ich mir seit der Veröffentlichung noch einmal richtig viel Mühe gegeben. Ich habe versucht, Aufmerksamkeit und vor allem möglichst viel Feedback zu bekommen. Das ist mir bis jetzt auch schon ganz gut gelungen und bis jetzt bin ich eigentlich sehr zufrieden.

Nun ist es aber Zeit, Teil zwei zu überarbeiten und für die Veröffentlichung fertigzustellen. Immerhin warten schon ein paar Leute darauf.

Eigentlich war ich ja schon fast fertig mit dem Manuskript und habe geglaubt, dass eine einfache Überarbeitung des Textes genügen würde. Aber wie das so ist im Leben, habe ich mich da wieder einmal getäuscht. Zum Teil wegen des Feedbacks vom ersten Teil, zum Teil aber auch weil ich mich einfach wieder weiterentwickelt habe, stehe ich nun vor demselben Dilemma wie bei Teil eins: Statt nur ein paar Veränderungen vorzunehmen, schreibe ich große Teile wieder komplett neu.

Natürlich bleibt die grundlegende Struktur erhalten, aber bis jetzt habe ich fast alle Szenen umgeschrieben. Dabei habe ich geglaubt, dass beim zweiten Teil alles viel leichter wird. Bei manchem wird das (hoffentlich) auch der Fall sein. Denn sonst würde das heißen, dass ich gar nichts gelernt habe, in den letzten Monaten. Aber ich denke schon, dass manches hängen geblieben ist und darum hoffe ich, dass zumindest all das, was dann eher mit dem Veröffentlichen und dem Verkauf zu tun hat, leichter werden sollte. (Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt!)

Aber das Schreiben selber wird wohl nie leichter werden. Ja sicher, auch da habe ich viel gelernt und was ich beim ersten Teil noch mühsam im Nachhinein ausgebessert habe, fällt mir nun oft schon direkt beim Schreiben auf. Aber letztendlich wird es mir hier auch wieder so gehen wie beim ersten Teil, nämlich dass ich nie wirklich zufrieden sein werde. Selbst jetzt nach der Veröffentlichung bringe ich es nicht über mich, den ersten Teil noch einmal zu lesen, da ich mit Sicherheit wieder einiges ändern würde. Oder auch gleich wieder alles komplett umschreiben würde.

Wenigstens habe ich, im Unterschied zum ersten Buch, über eine Leserunde und verschiedene andere Foren schon einige Leser gefunden, die gerne als Testleser fungieren wollen. Sie alle kennen mich nicht persönlich und es geht ihnen einzig und allein darum, möglichst alle Fehler in der Geschichte zu finden; egal ob es nun simple Schreibfehler oder Logikfehler sind. Natürlich heißt das für mich dann wieder, überarbeiten, umschreiben und noch einmal überarbeiten. Aber ich werde sicher wieder einiges dabei lernen. Und beim nächsten Buch wird das alles dann schon fast wie von selber gehen;)

Ja, sicher!