So viele Bücher!

Letztens habe ich wieder mal mein Facebook-Profil überarbeitet. Unter anderem kann man auch eingeben, welche Bücher man schon gelesen hat. Dabei werden einem auch Bücher vorgeschlagen, die man dann nur mehr anklicken muss.
Ich war ehrlich überrascht, als mir klar geworden ist, wie viele Bücher ich schon in meinem Leben gelesen habe. Bücher, die mir niemals eingefallen wären, wenn sie nicht vorgeschlagen worden wären. Im Endeffekt habe ich dann abgebrochen, weiter auf all die Vorschläge zu klicken, und habe mich stattdessen daran erinnert, dass ich während meiner Schulzeit ein Adressbuch geführt habe, in das ich alle Bücher eingetragen habe, die ich damals gelesen habe. Ich habe darin auch vermerkt, dass ich zwischen 1996 und 2000, laut meinen Aufzeichnungen, 1206 Bücher gelesen habe.
Ich kenne viele Menschen, die über so etwas nur den Kopf schütteln würden. Warum, habe ich nie verstanden. Es gibt so viele Hobbys, die weit teurer und oft auch viel zeitaufwendiger sind, als Lesen und die ich persönlich auch schwachsinnig finde. Aber niemals würde ich jemandem ins Gesicht sagen, dass ich sein Hobby unsinnig finde, und dass er doch mit seiner Zeit etwas Besseres anfangen könnte. Wobei ich mich auch immer gefragt habe, warum viele glauben, dass Lesen sinnloser sei, als beispielsweise Modellflugzeugbau. Jemand, der sich damit beschäftigt versteht dann etwas von Modellflugzeugen, aber ich habe aus Büchern schon so viel mehr gelernt.

Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass ich in einem Micky-Mouse-Heft gelesen habe, dass der Eiffelturm anlässlich der Weltausstellung in Paris 1889 gebaut wurde und ich habe das seitdem nicht vergessen. In »Illuminati« habe ich von diesem riesigen Tunnel des Forschungszentrums »CERN« gelesen, und ewig mit meinem Mann diskutiert, weil er mir nicht geglaubt hat, dass der unterirdische Tunnel wirklich 27 km lang ist (Ist er aber.). Aus zahlreichen historischen Romanen habe ich, angefangen von den Ägyptern, über das Mittelalter und bis zum Entstehen der DDR mehr gelernt, als ich es im Geschichtsunterricht je hätte lernen können. Und wenn es noch so ein »einfacher« Roman war, irgendwas ist immer hängengeblieben. Sei es die Tatsache, dass reines Lavendelöl gegen Verbrennungen hilft (stimmt wirklich), oder dass Kartoffel mehr oder zumindest genauso viel Vitamin C haben wie Zitronen (und somit bei den Goldgräbern in Alaska ein wichtiges Mittel gegen Skorbut waren) oder dass ein selbst gebackenes Weißbrot besser wird, wenn man nur die Hälfte der angegebenen Menge Germ nimmt, den Teig dafür aber doppelt so lange gehen lässt; all das habe ich aus Büchern. Und ich finde das gar nicht so schlecht, wenn man bedenkt, dass ich dafür nicht das Haus verlassen muss, ich mir die Zeit frei einteilen kann und es mir nicht einmal was kosten muss (Onleihe macht es möglich!).
Davon abgesehen kann ich wahnsinnig schnell lesen, ich kann gut querlesen und bin in der Lage, das Gelesene verständlich zusammenzufassen. Und das hilft mir, wenn ich den Kindern beim Lernen helfe (ich habe mir sogar die Grundlagen eines Kohlen-Wasserstoff-Diagrams innerhalb einer halben Stunde angeeignet; nur die Grundlagen zwar, aber immerhin habe ich schon mal davon gehört), im Beruf oder wann immer ich schnelle Informationen zu einem bestimmten Thema finden will. Schnelles Lesen bringt nämlich auch im Internet ziemlich viel.
Ich weiß gar nicht mehr, warum ich dann damit aufgehört habe, mir die Bücher aufzuschreiben; wahrscheinlich, weil die Zeit für das Lesen mit drei kleinen Kindern, einer Baustelle und einer Landwirtschaft einfach nicht mehr gereicht hat. Außerdem war Lesen in dieser anstrengenden Zeit wirklich nur ein Mittel, um kurz mal abzuschalten. Ich habe damals vermehrt »einfache«, lustige Frauenromane ohne viel Tiefgang gelesen. Alles, was zu tiefgründig, traurig, belastend, spannend, intellektuell anregend war, hat mich nicht interessiert. Ich wollte nicht denken, mitleiden oder mitfiebern, sondern nur eine kurze, oberflächliche Ablenkung. Nicht einmal mit Fantasy konnte ich zu der Zeit viel anfangen, weil ich im Hier und Jetzt so ausgelastet war, dass ich es noch nicht einmal schaffte, mich in andere Welten zu träumen.
Als ich jung war, wollte ich etwas lernen, habe mich für fremde Kulturen und vergangene Zeiten interessiert. Dann kam eben die Phase, wo ich Bücher einfach nur zur Ablenkung konsumiert habe, ohne dass ich mich wirklich damit beschäftigen wollte. Und nun, wo mein Leben wieder etwas weniger anstrengend geworden ist und vor allem vieles schon sehr endgültig zu sein scheint, lese ich am liebsten romantische Fantasy. Ich bin verheiratet, habe drei Kinder und habe schlussendlich die Entscheidung, wie mein Leben aussehen soll, getroffen.
Ich will gar nicht wieder jung sein und schon gar nicht will ich mir einen anderen Mann suchen und mit dem noch einmal von vorne beginnen. Aber ich will von der ersten Liebe lesen und träumen. Ich will in meinem Lesesessel sitzen, gemütlich eingepackt in eine Decke und ein Glas Rotwein in Reichweite und davon lesen, wie sich junge Mädchen in gut aussehende, oftmals unerreichbare und mysteriöse Jungen verlieben. Ich will miterleben, wie sie zweifeln, verletzt werden und meistens wieder zueinander finden, mit dem guten Gefühl, dass ich mir das nicht mehr mitmachen muss. Wann immer die Hauptfiguren endlich glücklich vereint sind, schließe ich mein Buch (oder klappe den Tolino zu), sehe meinen Mann an und bin im Grunde ganz zufrieden mit meinem Leben.

Hier ein kurzer Auszug aus meinem Büchlein:Adressbuch2

Jane Austen – immer wieder gerne

Isabell Allende – hat mir damals gut gefallen

J.M Auel – da ging es um Steinzeitmenschen

Georg Büchner – habe ich gehasst

Elmar Breuter  – bedrückend

Agatha Christie – siehe Jane Austen

Alexandre Dumas – spannend

Friedrich Dürenmatt – genial

Umberto Eco – bedrückend

Arthur Golden – sehr interessant

John Irving – lange Zeit mein Lieblingsautor

Ingrid Noll – makaber, aber gut

Christoph Ransmayer – nie wieder!

Leo Tolstoi – langatmig, aber hat mir gefallen

Stefan Zweig – interessant

Und das war nur ein Bruchteil!

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