Reizwort „Rechtschreibprüfung“

Wann immer jemand das Wort »Rechtschreibprüfung« erwähnt, geht ein regelrechter Aufschrei durch die Self-Publishing-Szene. Mich stört daran vor allem, dass alles sehr undifferenziert dargestellt wird. Anscheinend gibt es bei diesem Thema für viele nur schwarz oder weiß und nichts dazwischen.
Auch auf die Gefahr hin, dass einige meine Meinung nicht teilen, möchte ich meine Sicht zu diesem Thema auch einmal darstellen. Und zwar als Leserin und Hobby-Autorin.

Am meisten stört mich, dass niemals zwischen der Art der Fehler unterschieden wird. Es wird alles in einen Topf geworfen und das finde ich vor allem dann sehr eigenartig, wenn das Argument bemüht wird, dass Autoren zumindest die Grundregeln von Rechtschreibung und Grammatik beherrschen sollten.

Dabei stimme ich vollkommen zu und es gibt tatsächlich sehr viele Leute, die sich einfach hinsetzen und schreiben und denken, das die Regeln Für Groß-/Kleinschreibung, dass/das, usw. für sie Keine bedeutung haben („Zwinker, zwinker“). Zurecht jammern die Self-Publisher, die mit Herz und Seele schreiben und vielleicht auch davon leben möchten, dass solche Möchtegern-Autoren dem Ruf aller Self-Publisher schaden.

Aber genau das meinte ich auch mit der Unterscheidung von Fehlern. Es macht für mich sehr wohl einen Unterschied, ob jemand tatsächlich keine Ahnung von Rechtschreibung hat, oder ob jemandem Flüchtigkeitsfehler passiert sind. Und so etwas kann man sehr wohl erkennen und sollte man dann nicht gleich mit „kein handwerkliches Können“ gleichsetzen.

Ich vergleiche das mal mit einem Musiker. Es gibt Menschen, die eine wahnsinnig gute Stimme haben und auch ohne eine musikalische Ausbildung in der Lage sind, einen Song gut zu singen. Natürlich könnten diese Leute wahrscheinlich noch besser werden, wenn sie Unterricht nehmen würden. Und falls sie ihre Songs selbstständig veröffentlichen, dann können die wahrscheinlich auch nicht mit  professionell produzierten Songs mithalten.

Aber wenn sie erstens Musik nur als Hobby betreiben und nur mal wissen wollen, wie sie ankommen bzw. mit ihrer Musik einfach Menschen berühren wollen, haben sie nicht dann trotzdem das Recht zu veröffentlichen? Wenn der Song überzeugt und berührt und die Stimme einem eine Gänsehaut (im positiven Sinn) macht, kann man es dann nicht verzeihen, dass vielleicht die eine oder andere Note nicht hundertprozentig getroffen wurde oder dass die Aufnahme nicht ganz so perfekt ist?

Auch ich sehe das Schreiben als Hobby. Ich schreibe einfach gerne und möchte andere an meinen Geschichten teilhaben lassen. Mir ist es nie darum gegangen, das große Geld mit meinen Büchern zu verdienen, sondern darum, meine Geschichten auch anderen Menschen zugänglich zu machen. Darum habe ich eben nicht in ein professionelles Korrektorat investiert, sondern Freunde um Hilfe gebeten.

Und ja in meinem Buch sind trotz wiederholter Überarbeitung noch Fehler. Das weiß ich und das stört mich selber natürlich auch. Sehr sogar! Aber, und das ist mir wichtig, es sind keine Rechtschreibfehler. Ich bilde mir nämlich ein, sehr wohl Ahnung von Rechtschreibung und Grammatik zu haben. Aber bei mir haben sich wiederholt blöde Schnitzer eingeschlichen, weil ich bei der Überarbeitung nicht nur auf reine Fehler , sondern auf das Gesamtbild achte. So etwas passiert mir oft, wenn mir mein Gefühl sagt, dass ein Satz, den ich wenig verändere, vielleicht doch besser ausdrücken würde, was ich eigentlich im Kopf habe. Dann schreibe ich einfach los, weil ich meine Idee umsetzen will und bin dann schon beim nächsten Satz, bevor ich dazu komme, den eben erst umgeschriebenen noch einmal genau zu prüfen. Dabei passieren Flüchtigkeitsfehler.

Aber meiner Meinung bedeutet das nicht, dass ich grundsätzlich nicht schreiben kann, sondern dass ich wahrscheinlich sorgfältiger arbeiten sollte. Und natürlich finde ich auch, dass es selbstverständlich sein sollte, dass man etwas, das man veröffentlicht, auch sehr gewissenhaft prüft.

Ich kenne Menschen, die einen Text nur auf Fehler hin analysieren können und ich bewundere sie oft dafür. Ich aber betrachte einen Text nicht rein technisch, sondern daraufhin, was ich ausdrücken will. Wenn ich einen Satz lese, egal ob er von mir oder jemand anderen ist, dann sehe ich nicht in erster Linie die Fehler, sondern die Möglichkeiten, ihn zu optimieren. Mir geht es um Ausdruck und Gefühl und das hilft mir dann auch beim Versuch, einer Geschichte Leben einzuhauchen.

Ich habe Fehler gemacht; ja das ist Mist und stört mich selber auch. Sehr sogar! Aber es ist für mich kein Weltuntergang. Hätte man meinen Schreibstil, meine Geschichte und meine Figuren kritisiert, dann wäre das Thema Schreiben für mich erledigt gewesen. Aber die Rückmeldungen zu meinem Buch waren durchwegs positiv. Die Geschichte selber fanden viele spannend und gut umgesetzt und mein Schreibstil wurde mehrmals gelobt. Um beim Vergleich mit einem Musiker zu bleiben; ich glaube, dass ich eine gute Stimme habe, aber nicht immer jeden Ton treffe.

Viele vertreten auch die Meinung, dass es ungehörig ist, Geld für etwas zu verlangen, das nicht professionell korrigiert und lektoriert wurde. Aber diese Meinung kann ich auch als Leserin nicht teilen.

Wenn ich als Leserin weiß, dass das Buch ohne die Unterstützung eines Verlags veröffentlicht wurde, und ich dafür ungerechnet höchstens den Preis eines Latte machiatos zum Mitnehmen bezahle, dann verzeihe ich durchaus ein paar Fehler. Vorausgesetzt, die Geschichte, der Schreibstil und die Figuren überzeugen mich. Und natürlich vorausgesetzt, ich habe das Gefühl, dass der Autor grundsätzlich eine Ahnung von Rechtschreibung und Grammatik hat.

Ich finde einfach, dass man bei diesen Diskussionen um professionelles Korrektorat ja/ nein, auch mal hinterfragen sollte, wie die Umstände der Veröffentlichung sind bzw., was der Autor eigentlich damit erreichen will. Ist es ein Hobby und der Autor will einfach mit Hilfe der Veröffentlichung möglichst vielen Menschen seine Geschichte präsentieren oder geht es darum tatsächlich Geld damit zu verdienen.
Außerdem trifft ja dann letztendlich ohnehin der Leser die Entscheidung, das Buch weiterzuempfehlen oder nicht.

PS: Auch diesen Text habe ich mehrmals überarbeitet, also wenn hier Fehler auftauchen, dann siehe oben!

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