Kurzer Auszug aus Kapitel 2

Typisch, jetzt habe ich das Popcorn fallen gelassen. Man sollte mich gar nicht frei rumlaufen lassen, so ungeschickt, wie ich immer war. Hoffentlich wuchs sich das wirklich noch aus, wie Nana immer sagte. Allerdings war ich mir nicht sicher, ob ich noch sehr viel mehr wachsen wollte. Ich war jetzt schon ziemlich groß für mein Alter.
»Oh entschuldige, das war meine Schuld. Warte ich helfe dir!«
Als ich am Boden hockend zu der Quelle dieser tiefen Stimme aufblickte, registrierte ich nur diese ungewöhnlichen grauen Augen, die mich sofort fesselten. Sonst wäre mir sicher ein blöder Spruch eingefallen. Um von meiner Peinlichkeit abzulenken, griff ich sonst gerne zu Sarkasmus.
Aber dazu kam es diesmal nicht, da mich diese unglaublich durchdringenden Augen vom Denken ablenkten. Den Rest des Gesichts nahm ich gar nicht richtig wahr. Nur die Augen und diese tiefe, raue Stimme. Unvermittelt kam mir der Gedanke, dass er mir bekannt vorkam, während mir gleichzeitig bewusst war, dass ich mir das einbildete.
Was er sich dachte, war mir nicht ganz klar, denn er starrte mir ebenso bewegungslos in meine Augen. Starrte er etwa so, weil ich ihn anstarrte? Ich sollte wirklich versuchen, wegzusehen. Das war ja schon peinlich und immer noch fiel mir nichts ein, was ich sagen könnte. Als ich es dann doch schaffte, endlich wegzusehen, erwachte auch er aus seiner Erstarrung und nahm mich sanft am Ellbogen, um mir hoch zu helfen.
Aber kaum hatte er mich berührt, ließ er mich so plötzlich wieder los, dass ich fast hingefallen wäre. Seltsam erschrocken sah er mich an. Hatte er etwa auch gerade einen kleinen elektrischen Schlag gespürt? Das wurde immer peinlicher. Natürlich wurde ich jetzt auch noch rot.
»Darf ich dir frisches Popcorn kaufen?«, fragte er mich, und klang dabei etwas unsicher.
Ich machte den Fehler, ihm wieder in die Augen zu sehen und hatte das Gefühl, als ob mein Kopf auf einmal völlig leer wäre. Moment, er wartete ja auf eine Antwort. Ich sollte wohl besser etwas sagen, bevor er mich noch für völlig minderbemittelt hielt. Er sah sowieso schon ziemlich verwirrt aus.
Ich durfte ihn einfach nicht ansehen, dann gelang es mir vielleicht sogar, ein paar Wörter zu einem sinnvollen Satz aneinanderzureihen. »Danke aber das ist nicht notwendig«, nuschelte ich daher zu Boden und ärgerte mich über mich selber. Danke, aber das ist nicht notwendig? Was war das denn? Normalerweise würde ich ihn ziemlich ruppig darauf hinweisen, dass es ja wohl das Mindeste war, was er tun konnte, nachdem er mich einfach über den Haufen gerannt hatte.
»Natürlich ist das notwendig. Komm mit, wir stellen uns noch schnell an!«
Was sollte ich also tun? Ich musste wohl mitgehen. Er hielt mich sicherlich schon für komplett verrückt, also konnte ich nicht noch mehr Schaden anrichten. Außerdem, was juckte es mich, was dieser Fremde von mir dachte. Ich würde ihn nie wieder sehen. Seltsamerweise fand ich diesen Gedanken ziemlich verstörend.
In der Schlange dann so nah neben ihm zu stehen, machte mich extrem nervös, und wieder schien mir nichts Sinnvolles einzufallen. Dabei war ich normalerweise nicht so. Ich war sonst die Coole, Unnahbare, die immer möglichst lässig mit Jungs umging. Ich war keine von den albernen Mädchen, die ständig kicherten oder anfingen zu stottern, wenn sie von einem Jungen angesprochen wurden, sondern versuchte immer, so zu wirken, als ob ich alles unter Kontrolle hatte. Allerdings versagte ich dabei heute auf ganzer Linie.
»Hier bitte, lass es dir schmecken. Ich muss jetzt leider in den Film gehen.« Erstaunlicherweise hörte es sich an, als ob es ihm tatsächlich leidtun würde. Dabei sah er mich immer noch an und schien auf etwas zu warten. Ich wollte zwar nicht, dass er ging, aber ich verstand trotzdem nicht, worauf er wartete. Sollte ich noch etwas sagen?
»Danke«, kam es heiser aus meinem Mund, denn mehr fiel mir nicht ein. Herr im Himmel, das war ja nicht zum Aushalten! Hatte ich meine Schlagfertigkeit womöglich für immer verloren? Und wo sollte ich danach suchen?
Offensichtlich würde ich sie nicht in den Augen dieses Fremden finden. Trotzdem musste ich ihn unbedingt noch einmal ansehen, bevor er ging. Ich hätte es lieber bleiben lassen sollen, denn es war, als ob sein Blick meinen festhielt.
Da standen wir beide, wie zwei Statuen, und starrten uns gegenseitig an. Er wirkte verwundert und irgendwie auch verärgert. Warum, was hatte ich getan? Oder fiel ihm doch auf, wie peinlich ich mich benahm?
Doch dann drehte er sich ohne ein weiteres Wort um und weg war er. Ich konnte nur mehr hinter ihm her starren, immer noch unfähig mich zu bewegen oder etwas zu sagen.
»Was war das denn?«, holte mich Caros Stimme wieder zurück in die Realität.
Genau, was war das denn? Das war eine wirklich gute Frage.
»Komm jetzt, gehen wir endlich rein!«

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