Kapitel 5

Ich ging zur Schule, ich unternahm etwas mit meinen Freunden, nahm am Schwimmtraining teil und gab mir bei all dem noch Mühe, möglichst normal auszusehen. Manchmal fühlte ich mich beobachtet, aber ich traute meinen Gefühlen gerade nicht wirklich. Langsam kam es mir so vor, als ob alles nur ein schlechter Traum war, so wie die Träume in der Nacht. Vielleicht hörte es ja einfach wieder einmal auf.
»He Rory! Du siehst heute wieder mal beschissen aus, wie immer in letzter Zeit. Was ist los mit dir?«
»Danke Max, du hast mich jetzt wirklich aufgebaut.«
Meine Stimme troff vor Sarkasmus. Ich hatte gerade keine große Geduld für die tollen Sprüche meines Nachbarn. Max war der, dessen Mutter so unglaublich nervig war und manchmal stand er ihr um nichts nach. Zumindest hielt er ebenso wenig von Taktgefühl. Und er dachte anscheinend, dass ihn jedes Mädchen anhimmelte, zumindest tat er immer so.
»Falls du Liebeskummer hast, weil du dich insgeheim nach mir verzehrst, dann würde ich dir selbstverständlich eine Chance geben.«
»Wow, du bist dermaßen großzügig und so selbstlos. Und um dich geht es dabei natürlich nicht.«
»Ja mag schon sein, aber ich verstehe eben nicht, was du gegen mich hast.« Er hörte sich gerade wie ein jammerndes Kleinkind an.
»Max, nicht das schon wieder. Such dir doch eine andere. Es gibt genug, die, warum auch immer, echt auf dich stehen.«
Max grinste ein wenig. »Eifersüchtig? Ich würde dir den Vorzug geben!«
Ich verdrehte genervt die Augen. »Hör endlich auf mit dem Quatsch!«
Er sah mich prüfend an. »Dir ist hoffentlich klar, dass schon gewettet wird, wer von uns, dich als Erster rumkriegt.« Dabei zog er vielsagend die Augenbrauen nach oben.
Das durfte doch nicht wahr sein. Warum musste es jetzt auf einmal so kompliziert sein? Anscheinend war es normal, dass man als Mädchen ab einem bestimmten Alter auf einmal gar nichts mehr mit Jungs zu tun haben wollte und sie plötzlich blöd, wenn nicht sogar ekelig fand. Unmittelbar nach dieser Phase durfte man sich für Jungs wieder interessieren, aber nur, um sich in sie zu verknallen. Eine platonische Freundschaft schien in diesem Alter gar nicht mehr möglich zu sein, denn wenn man regelmäßig mit einem Jungen Zeit verbrachte, hieß das wohl automatisch, dass man mit ihm gehen wollte.
Aber wieder einmal hielt ich mich nicht, an diese anscheinend allgemeingültigen Gesellschaftsregeln und verhielt mich den meisten Jungs gegenüber einfach die ganze Zeit gleich. Was dann dazu geführt hatte, dass es ihnen bis Kurzem unsagbar peinlich war, wenn sie von anderen dabei erwischt wurden, dass sie sich immer noch mit einem, bäh, widerlichen Mädchen abgaben. Und nun glaubten sie aber alle, dass ich wohl insgeheim total in sie verknallt war, denn warum sollte ich mich sonst mit ihnen abgeben.
»Da könnt ihr alle lange warten«, sagte ich möglichst beiläufig.
»Kann ich wenigstens heute Abend wieder einmal zum Fernsehen vorbeikommen, wenn ich dafür verspreche, dich in Ruhe zu lassen? », fragte er mich jetzt und setzte dabei seinen treuherzigen Hundeblick auf, den er selber aber für seinen »Verführerblick« hielt.
Ich schnaubte belustigt. »Ja klar, deswegen also das Süßholzgeraspel. Du hast nur Sehnsucht nach meinem Fernseher.«
Max zuckte grinsend mit den Achseln. »Naja, heute ist dieser Zombie-Film. Den lässt sie mich nie schauen.«
Seine Mutter ließ ihn so gut wie gar keine Filme ansehen, da ihrer Meinung nach alle viel zu unmoralisch, und somit für ihren zartbesaiteten Sohn nicht geeignet waren. Daher kannte Max sich auch mit meinem Fernseher besser aus, als ich. Nur in letzter Zeit war er wirklich nicht mehr so oft bei mir gewesen.
»Okay, bis später!«

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