Kapitel 22 und 23

Heute mal Schnipsel aus zwei Kapiteln:

»Allerdings hat sich das wahrscheinlich schon erledigt«, warf Laura ein.

Fast schon ruckartig und völlig synchron drehten Caro und ich unsere Köpfe in Lauras Richtung.

»Tja, da seid ihr baff. Seitdem dieser Typ in der Zeitschrift aufgetaucht ist, scheint er plötzlich überall zu sein. Ständig höre ich irgendwelche Gerüchte über ihn. Wahrscheinlich war das schon immer so, aber mir fällt es erst jetzt auf. Kennt ihr das? Irgendwie ist das seltsam.«

Genervt verdrehte ich meine Augen. Laura sollte endlich zum Punkt kommen und Caro war wohl auch meiner Meinung.

»Und, was wolltest du erst sagen?«

Völlig unbekümmert biss Laura noch einmal von ihrem Brot ab, kaute langsam und schluckte umständlich. Als sie dann auch noch in aller Ruhe zu ihrer Saftflasche griff, in Zeitlupentempo den Deckel abschraubte, um endlich zu trinken, hätte ich ihr die blöde Flasche am liebsten aus der Hand gerissen und ihr den Saft ins Gesicht geschüttet.

Caro sah mich beschwörend an und schüttelte leicht den Kopf. Ich atmete einmal tief durch und versuchte mich ein wenig zu beruhigen.

»Rede endlich!«, platzte Sandra nun endlich raus.

Erstaunt sah Laura sie an. »Na gut, ich wusste ja nicht, dass euch das so brennend interessiert.«

»Darum geht es nicht. Aber du machst das ständig. Erst machst du eine Andeutung und dann hörst du einfach auf, darüber zu reden. Das nervt echt total.«

»Wow, du kannst ja laut werden!«, sagte Caro zu Sandra und sah sie dabei durchaus anerkennend an. »Aber sie hat recht. Erzähl jetzt endlich weiter, okay!«

Dabei warf sie Laura einen ziemlich genervten Blick zu. Die hob nun abwehrend beide Hände, wie um sich zu verteidigen. »Okay, gut. Also eine Bekannte meiner Mutter war letztens zum Kaffee da, und als ich mir in der Küche etwas zu essen geholt habe, habe ich ihnen kurz beim Gespräch zugehört.«

Caro grinste mich vielsagend an. Na klar, Laura bekam immer ganz aus Versehen irgendwelche Gespräche mit.

»Sie arbeitet, welch ein Zufall, bei der Firma Bertani. Und anscheinend sind sich alle einig, dass ein gewisser Dante Bertani ganz offensichtlich schwer verliebt sein muss.«

Ich hörte so gebannt zu, dass ich Caros Stoß mit dem Ellbogen gar nicht richtig wahrnahm.

Laura beugte sich noch näher zu uns. »Angeblich ist er total verändert. Wie ein ganz neuer Mensch. Die Bekannte meiner Mutter hat gesagt, dass er normal immer sehr abweisend und verschlossen war. Nicht unfreundlich oder so, aber auch nicht sehr gesellig. Außerdem soll es Mitarbeiter geben, die nicht gerne mir ihm alleine sind, weil sie fast ein wenig Angst vor ihm haben. Aber seit einigen Wochen sieht man ihn nur mehr lächelnd. Er macht Scherze, er erkundigt sich bei Mitarbeitern, wie ihr Wochenende war, und strahlt dabei über das ganze Gesicht.«

Caro grinste mich verschwörerisch an, aber ich war in Gedanken versunken. Danny hatte mir zwar erzählt, dass er sich im Umgang mit anderen oft schwertut. Aber das, was Laura da erzählt hatte, entsprach überhaupt nicht dem Danny, den ich kannte. Obwohl, am Anfang war er mir auch ernst und unnahbar vorgekommen, aber ich hatte das diesem Hin und Her zwischen uns zugeschrieben. Dass er sich wirklich verändert haben könnte, darauf wäre ich nicht gekommen, auch wenn er mir das schon einmal gesagt hatte.

Also stiegen wir aus und gingen zum Haus. Gleich nach dem Klingeln öffnete uns meine Tante Irene die Tür. »Da seid ihr ja endlich! Wir warten schon ewig.«

Es war drei Minuten nach zwölf!

Sofort war auch Großmutter schon da und verbreitete Hektik. »Na los, gebt mir eure Mäntel. Schnell!«, scheuchte sie uns sofort ins Esszimmer.

Wie immer wurden wir dort erwartet und wie immer fühlte ich mich, als ob ich vor Gericht erschienen war. Was hatte Großmutter nur für ein Problem? Wir waren unter uns und niemand würde uns verhaften, weil wir statt um zwölf, erst um fünf nach mit dem Essen begannen.

Als dann der Braten endlich auf dem Tisch stand, ging es auch schon los. Zuerst bekamen wir von meiner Tante einen Überblick darüber, wie großartig sie und ihre Familie doch waren. Ihre Töchter, meine Cousinen waren vierzehn und sechzehn, waren die Besten in ihren Klassen, die Besten bei ihren vielzähligen Hobbys (Geige, Ballett, Theater) und blieben auch in der Pubertät wohlerzogen und in jeder Hinsicht brav.

Ich musste wohl nicht extra erwähnen, dass die beiden genauso aussahen, wie es sich anhörte. Altmodische Kleidung, die ihrem Alter nicht entsprach, langweilige Frisur, verkniffenes Gesicht und das Wort »Spaß« konnten sie wahrscheinlich, trotz ihrer guten schulischen Leistungen, nicht einmal buchstabieren.

Mein Onkel Heinz, er durfte anscheinend nicht für sich selber sprechen, war befördert worden und meine Tante selber war nun Vorsitzende eines weiteren unsinnigen Vereins, wo sie sich wichtig machen und andere herumkommandieren konnte.

»Und wie läuft es bei euch so?«, endete ihr Bericht.

»Rory hat die Schule geschmissen und arbeitet jetzt bei McDonalds als Putzfrau und ich werde wohl bald arbeitslos sein«, antwortete mein Vater mit unergründlichem Gesichtsausdruck.

Das Allerschlimmste an der Familie meines Vaters war, dass sie noch nie etwas von den Worten »Humor« oder gar »Ironie« gehört hatten. Sie gehörten zu der Sorte von Menschen, denen man sogar einen harmlosen Witz erklären musste und die dann höflich lächelten und immer noch nicht verstanden hatten, was daran witzig war. Diese Leute waren lediglich schadenfroh. Über das Pech und Unglück Anderer konnten sie stundenlang herzlich lachen. Außerdem fiel es ihnen nicht schwer zu glauben, dass mein Vater die Wahrheit gesagt hatte, weil sie uns im Grunde gar nichts zutrauten.

»Das war einer deiner dummen Scherze, oder?«, fragte meine Großmutter dann doch mit zittriger Stimme nach.

Mein Vater seufzte. »Natürlich, Mutter.«

»Na man weiß nie!«, kam es schmallippig von ihr. »Wir hatten schon öfter mal gehofft, dass du Scherze machst und dann hat sich herausgestellt, dass es dein voller Ernst war. Aber lassen wir die alten Geschichten!«

Mit »alte Geschichten« meinte sie, dass mein Vater meine Mutter so jung geheiratet hatte, weil sie schwanger war und sie ihn dann auch noch verlassen hat.

Den Rest des Essens ließen uns die anderen in Ruhe, sie sprachen nur mehr über sich. Nur einmal konnte es meine Großmutter nicht bleiben lassen. Als meine Tante gerade darüber sprach, dass sie ja so froh sei, dass ihre Töchter sich im Gegensatz zu ihren Klassenkollegen anständig kleideten, musterten mich alle von oben bis unten.

Und meine Großmutter seufzte tief und laut. »Du hättest dich wenigstens heute anständig anziehen können«, warf sie mir vor. »Du könntest so hübsch sein, wenn du dich etwas bemühen würdest. Überhaupt könntest du viel mehr aus dir machen.«

Ich trug ein ziemlich festliches Kleid, das halt schwarz war. Meine Cousinen trugen Cordröcke, Strickstrumpfhosen, Blusen und Strickpollunder!

»Rory ist in Ordnung, so wie sie ist«, verteidigte mich mein Vater.

»Findest du nicht, dass Rory sich auch außerhalb der Schule noch eine sinnvolle Beschäftigung suchen sollte? Immerhin werden ihr solche Fähigkeiten später im Leben sicher einmal nützlich sein«, konnte sich meine Tante nicht verkneifen.

»Rory ist im Schwimmverein. Sie geht dreimal in der Woche zum Training.«

»Ach, ich rede aber von Musikunterricht oder dass sie sich in einer gemeinnützigen Organisation engagiert. Was sollte ihr denn Schwimmen schon bringen?«

Mein Vater sah sie etwas irritiert an. »Na immerhin brauche ich mir keine Sorgen zu machen, dass sie mal ertrinken könnte. Ich finde das schon sehr nützlich fürs ganze Leben.«

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