„Heute kennt man von allem den Preis und von nichts den Wert“

Gestern sollte ich meinen Sohn um 16.45 vom Bahnhof abholen. Ich war noch einkaufen und war dann pünktlich da. Auf dem Parkplatz habe ich kurz aufs Handy geschaut und gesehen, dass mein Sohn mir eine Nachricht geschrieben hat. Er würde eine dreiviertel Stunde später kommen.

Na toll! Es hätte 15-20 Minuten gedauert um nach Hause zu fahren, das hätte sich also nicht ausgezahlt. Meinen Tolino hatte ich ausgerechnet da nicht mit, sonst hätte mir die Wartezeit nicht viel ausgemacht. Auf dem Handy wollte ich nicht lesen (da lese ich ab und zu Kindle-Ebooks), da die Sonne sehr geblendet hat. Ja, zu allem Überfluss wäre es ein, zur Zeit so seltener, sonniger Nachmittag gewesen.

Ich bin also in den Bahnhof gegangen und habe mir ein Eis für € 2.40 und eine Zeitschrift für € 2,90 gekauft. Das Eis war lecker, aber nach nicht einmal 10 Minuten weg und die Zeitschrift (es war eine eher nicht sehr anspruchsvolle) war nach 30 Minuten durchgeblättert.

Ich habe innerhalb weniger Minuten über 5 Euro quasi beim Fenster rausgeschmissen. Wir geben für Kleinigkeiten oft sehr unreflektiert Geld aus. Beim Kauf eines Ebooks wird aber anscheinend viel mehr nachgedacht, als beim Kauf eines Kaffees oder einer Zeitschrift. Anders kann ich mir nicht erklären, dass ich die meisten Bücher während einer Preisaktion verkaufe, wo der Preis zwischen € 0,99 und € 1,99 liegt.

Es hat mehrere Jahre gedauert, bis meine Bücher tatsächlich für die Veröffentlichung fertig waren und auch wenn ich im Moment wenig Zeit habe, investiere ich nach wie vor Zeit in meine Bücher. Und was verlange ich dafür? Normalerweise € 2,99 und viel zu oft mache ich eine Preisaktion um wieder sichtbarer zu werden.

Für mich war und ist das Schreiben (noch) ein Hobby und daher geht es mir gar nicht so sehr ums Geld. Aber es geht um Wertschätzung.

Ach ja, meine Sohn hat sich dann noch einmal um 15 Minuten verspätet.