Weltkusstag

»Ich denke, ich weiß, was du meinst. Und ich kenne das Gefühl auch, dass man jemanden nur ganz kurz trifft und auf einmal das Gefühl hat, man möchte alles mit ihm teilen. Man möchte alles über ihn wissen und zu allem seine Meinung kennen.«

Plötzlich war Dannys Gesicht ziemlich nah bei meinem. Ich war völlig gefangen von seinem Blick, aber ich wich keinen Millimeter zurück, sondern starrte ihm regungslos in die Augen.

»All das wollte ich von Anfang an von dir wissen. Ich wollte wissen, welche Musik du hörst, welche Filme dir gefallen und ob wir über dieselben Witze lachen. Nein, eigentlich stimmt das nicht. Ich wollte nur eine Bestätigung dafür, dass wir denselben Geschmack und dieselben Interessen haben. Denn ich hatte das Gefühl, dich schon längst zu kennen.« Dann kam er noch ein wenig näher. »Was ich aber jetzt gerade wirklich wissen will, ist, ob sich deine Lippen genauso anfühlen, wie ich mir das vom ersten Tag an vorgestellt habe.«

Noch bevor ich nachdenken konnte, hatte ich es schon laut ausgesprochen. »Dann probiere es doch aus.«

Sofort war sein Gesicht noch näher bei meinem. Viel zu nahe … Es war doch nicht möglich, dass er meinen Puls nicht hörte, denn in meinen Ohren dröhnte er, wie Trommelschläge. Und …

Es war eindeutig zu spät, um noch weiter zu grübeln, denn seine Lippen waren schon auf meinen und ich hatte automatisch die Augen geschlossen. Zuerst wurde mein Körper komplett starr, doch dann legte ich einfach meine Arme um ihn und drückte mich an ihn. Und der Rest … naja …, der ergab sich von alleine.

Ich hatte keine Ahnung, wie viel Zeit vergangen war, als Danny sich von mir löste und ein wenig von mir abrückte.

»Tja, jetzt weiß ich es endlich!« Er klang etwas atemlos und sah auch ein wenig fassungslos aus.

»Und?«, fragte ich, nicht weniger außer Atem als er.

Mit großen Augen musterte er mich immer noch erstaunt. »Also das war …, wie hast du …, überhaupt war das gerade viel …, nein ganz …, nein es war … Also etwas habe ich bei einem Kuss noch nie empfunden. Das war …«, stammelte er herum.

Er schien nicht recht zu wissen, wie er sich ausdrücken sollte. Da ging es mir gerade genauso. Aber ich versuchte es erst gar nicht. Ich zog es vor, zu schweigen.

»Das war ungewöhnlich! So etwas habe ich noch nie erlebt. Geht dir das auch so?«, fragte er dann aber.

Ich runzelte irritiert die Stirn. Was sollte die blöde Frage? Meinte er das ernst? »Ich vermute, nein ich weiß, dass du damit mehr Erfahrung hast, als ich«, antwortete ich trocken.

»Woher willst du das wissen?«

Ich konnte nicht anders, als die Augen genervt zu verdrehen. Wie viel deutlicher musste ich denn noch werden? »Falls du bis jetzt auch nur ein einziges Mal jemand anderen geküsst hast, dann hast du deutlich mehr Erfahrung, also …« Ich brach ab, weil er mich plötzlich so erschrocken ansah.

»Scheiße nein, das war doch nicht dein erster Kuss?«

Was meinte er denn jetzt schon wieder? Würde das jedes Mal so sein mit ihm? Würde das immer so anstrengend sein? »Natürlich. Ich habe dir doch gesagt, dass ich noch keinen Freund hatte.«

»Ja schon, aber es hätte ja sein können …«

»So bin ich nicht!«, fiel ich ihm ins Wort, bevor er es laut aussprechen konnte.

»Rory, das tut mir so leid. Wenn ich das gewusst hätte …«

Wieder einmal hatte er es geschafft, mich wütend zu machen. Er hatte echt eine Gabe dafür.

»Was genau tut dir denn leid?«

Mein verärgerter Tonfall fiel ihm offensichtlich auf, denn er schüttelte gespielt verzweifelt den Kopf. »Schön langsam solltest du einmal aufhören, immer sofort das Schlechteste von mir zu denken«, meinte er dann auch noch tadelnd und grinste dabei. Doch sofort wurde er wieder ernst und beugte sich etwas zu mir, um mir besser in die Augen zu sehen. »Natürlich tut es mir nicht leid, dass ich dich geküsst habe. Was für ein absurder Gedanke. Aber mir tut es leid, dass das gerade dein erster Kuss war.«

Wie bitte? »Was war denn falsch an diesem Kuss? Anscheinend bin ich dafür wirklich zu unerfahren, denn ich habe es jetzt nicht unbedingt so schlecht gefunden«, meinte ich schroff.

»Schon wieder in Angriffshaltung!«, murmelte er spöttisch und wurde aber gleich wieder ernst. »Und du hast natürlich recht. Dieser Kuss war alles andere als schlecht. Ganz im Gegenteil, so etwas wie gerade eben, habe ich noch nie erlebt. Mit niemandem. Und das meine ich im positiven Sinn.«

Danny sah mir prüfend in die Augen. Ihm war wohl klar, dass ich schon aus reiner Gewohnheit seine Aussage anzweifeln würde. »Das musst du mir glauben, denn so etwas sage ich nicht einfach so. So bin ich nicht.« Dann lächelte er wieder. »Aber ich finde, bei einem ersten Kuss sollte das ganze Drumherum etwas romantischer sein. Wir hatten noch nicht einmal eine richtige Verabredung. Deshalb tut es mir leid.«

Etwas zweifelnd sah ich ihn an, aber er sprach schon weiter.

»Also vergiss diesen Kuss …«

Ich schnaubte belustigt. »Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich das eben jemals vergessen werde?«, unterbrach ich ihn.

 

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